Internetseite des Berufskollegs der Landwirtschaftkammer NRW, Fachschulen für Agrarwirtschaft,  Borken

 

 


 


© Internet des Berufskollegs der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe 2001

Quelle:  

Projektarbeit Höing /
Dr.  Althoff-Pegels

mail: 

Judith Geske   Datum:   01.06.2000

  Fleischqualität in Deutschland


1.                 Einleitung: Gründe für Diskussion
Die zur Zeit anhaltende Diskussion über Schweinefleischqualität ist auf viele
Punkte zurückzuführen.

            1.     Verunsicherung des Verbrauchers hinsichtlich Fleischqualität durch
              Skandalberichte in den Medien, z.B.

        ·          BSE - Dioxinrückstände / Klärschlamm im Futter
·          Rückstände von Antibiotika im Fleisch

            2.      Ungenaue medizinische Aufklärung des Verbrauchers hinsichtlich der
            Qualität des Fleisches im Zusammenhang mit der Cholesterinproblematik
            und allgemeine Gesundheitsbedenken.

            3.      Qualität des Fleisches aus Vermarktersicht: Sind die Verarbeitungs-
            möglichkeiten und Vermarktungsmöglichkeiten bei den derzeitigen
            Klassifizierungssystem (FOM oder Auto FOM?) und Vermarktungs-
            strategien (Markenfleischprogramme) gegeben ?
            Wie hoch ist der Anteil des verkaufsfähigen Fleisches?

            4.      Aus der Sicht des Verbrauchers: Werden die Forderungen des Verbrauchers
            auf Fleischqualität bei folgenden Punkten erfüllt:

        ·        Zartheit
·         Saftigkeit
·         Ethische Herstellung
·         Rückstandsfreie Waren
·         Qualität und dennoch billig ?

            5.      Aus der Sicht des Landwirtes: Diskussion über die richtigen
            Zucht- und Masttiere, die für die Erzeugung von Qualitätsfleisch
            benötigt werden.

Anhand der oben angeführten Punkte ist zu erkennen,
dass das Thema "Fleischqualität" viele Fragen und
Diskussionsthemen mit sich bringt.

2.        Welche Qualität wird zur Zeit gezahlt ?

Zur Zeit werden aus Sicht des Landeswirtes für folgende Punkte gezahlt:

      • Magerfleischanteil
      • Schlachtgewicht
      • Zuschläge für gute Reflexionswerte
      • Stressstabilität (Verluste mindern den Gewinn)
      • Abzug für schadhafte Lebern, Lungen und Herzen

3.         Was ist Fleischqualität, objektiv gesehen ?

       1. Nährwert:                      Fleisch enthält Eiweiß (essent. Aminosäuren),
                                        Kohlenhydrate,Fette (essent. Fettsäuren),
                                        Vitamine (B 1,B 12), Eisengehalt
2. Genusswert:                  Zartheit, Marmorierung, Aussehen,
                                        Geschmack
3. techn. Eigenschaften:     Saftbindevermögen, Fleischfarbe,
                                        Wasserhaltevermögen,
                                        Kollagenfähigkeit, Kochverhalten
4. Hygiene:                        Keimfreiheit, pH-Wert Þ Haltbarkeit,
                                        rückstandsfrei
5. Rückstände:                  kein Hormoneinsatz, minimierter
                                        Antibiotikaeinsatz
                                       Þ altenativ Probiotika etc.
6. Ethik:                            Verknüpfung der Gedanken des Verbrauchers
                                        bei Fleischqualität auch im Hinblick auf
                                        Haltungsformen und Aufzucht der Tiere.
7. Rückverfolgbarkeit:         klare Herkunftssicherung
                                        Þ Problematik der Kennzeichnung

      4.         Probleme bei der Fleischqualität

      4.1.      PSE / DFD -Fleisch
    
   a)     PSE - Fleisch (pale, soft, exudative = blass, weich, wässrig) Þ eignet sich
               nicht als Kurzbrat- oder Pökelfleisch.
               Þ vom Schlachthof und Verbraucher nicht erwünscht. 

                                                      Entstehung von PSE

    Die Muskeln beim Schwein setzen sich aus roten, weißen und 
    intermediären Muskelfasern zusammen.Die roten Muskelfasern sind
    kleiner als die weißen, gut durchblutet mit ausreichend Enzymen
    ausgestattet und können ihre Glycogenvorräte mit Hilfe von Sauerstoff
    vollständig abbauen. Sie sind für ausdauernde Muskelarbeiten z
    uständig.
    Die weißen Muskelfasern sind größer, heller, weniger gut durchblutet
    und mit weniger Mitochondrien ausgestattet. Sie bauen bei zu starker
    Belastung das Glycogen lediglich bis zur Milchsäure ab.
    PSE ist dabei auf eine Fehlfunktion im Energie-Stoffwechsel des Muskels
    zurückzuführen. Werden die weißen Muskelfasern vor der Schlachtung
    einer zu großen Belastung ausgesetzt z.B. durch Transportstress,
    so kann sich dieses nach der Schlachtung negativ auswirken.
    Es kommt zur Entstehung von PSE dadurch, dass die noch im
    Muskel befindlichen Glycogenvorräte zu schnell und nicht vollständig
    abgebaut werden. Es bleibt ein zu starker Anteil an Milchsäure im
    Schlachtkörper. Die Totenstarre tritt zu schnell ein; pH1 5,8.
    Bei normaler Reifung werden die Glycogenvorräte über einen längeren
    Zeitraum komplett durch Oxidation abgebaut. (Totenstarre nach 10h).
    Besonders anfällig für PSE sind fleischreiche Schweine (hoher Anteil
    an weißen Muskelfasern) Gegenmaßnahmen auch zur Vermeidung von
    Hyperthermie (plötzl. Temperaturanstieg) sind:

        • schonender Transport, Verladen, Schlachtvorbereitung,
          Betäuben und Schlachten
        • auf streßunanfällige Schweine achten
          (durch Zucht auf NN - Typen)

       b)     DFD (dark, firm, dry Þ dunkel fest und trocken)
               Dieses Fleisch eignet sich nicht z.B. für die Herstellung von Schinken
               oder Pökelware.

               DFD entsteht, wenn eine zu geringe Milchsäurebildung
               erfolgt ist; der pH-Wert bleibt hoch , pH24 6,5

      4.2.     Fettqualität
     Die Fettqualität ist gegeben durch
     a)   aus Ernährungssicht
          hoher Anteil an essentiellen ungesättigten Fettsäuren (Problem:
          Diese gehen eine Verbindung mit z.B. Sauerstoff ein und führen
          zu einer verminderten Haltbarkeit) essentielle Fettsäuren können
          vom Körper selbst nicht gebildet werden und sind von daher unverzichtbar.
          Anteil an Polyensäuren im Schweinefleisch:
          50-60 % davon mehrfach ungesättigt: 10-30 %.
          z.Vergleich: Rindfleisch (40-50 % bzw. 3-5 %)
          Problem: ein gewisser Anteil an gesättigten Fettsäuren muss
                        gegeben sein, um Haltbarkeit des Fleisches zu gewährleisten.
          Forderungen:
          - angepasste Fütterung nach dem Grundsatz
            "Wie das Futterfett so auch das Fett  des Tieres"
          - Maximalwerte von Einsatz von Sojaöl, Tierfett etc. in Rationen beachten.
          - Aufklärung des Verbrauchers hinsichtlich Cholesterolproblematik:
          * nur ein geringer Teil des Nahrungscholestrerol wird zu Blutcholesterol
            umgebaut (größter Teil wird in der Galle produziert)
          * ungesättigte Fettsäuren senken Blutcholestrol
          * nur Blutcholesterinkranke Menschen sind primär gefährdet.
      Þ Fleisch in vernünftig konsumierter Menge ist unverzichtbar

    b)    Fettqualität im Hinblick auf Geschmack
  - Fett ist im Fleisch ein wichtiger Träger von Aromastoffen.
    Hierbei wird vor allem dem intramuskulärem Fett eine große Bedeutung
    zugemessen. Es sollte mit 2,0 -2,5 % im Fleisch vorhanden sein.
  Problem:
        Fett wird vom Körper in best. Reihenfolge gebildet.
        1)                         Nierenfett/Körperhöhlenfett
        2)                         subkutanes Fett
        3)                         intermuskulares Fett
        4)                         intramuskuläres Fett  (wird erst sehr spät gebildet)
                             ·        Moderne Rassen enthalten zu wenig intram. Fett z.B.
                            BL, Pi <1 %, LR, DE 1,2-1,5 %, BHZP-Kreuzungen 1,3 %
                      ·         negative Korrelation von Fettanteil und Mfl.-Anteil
    Problemlösungen:

      • Zuchtkombination mit fettreichen Rassen z.B. Duroc  (2 %)
      • Verlängerung der Mastdauer
      • ausreichende Energieversorgung auch am Ende der Mastperiode

      Þ doch alle Methoden sind in der Produktion teurer

    5.        Tendenzen für die Zukunft
    Hinsichtlich den schon genannten Verbesserungsmöglichkeiten bei PSE/DFD
    und der Fett- Problematik ist es sicherlich wichtig, den Verbraucher noch
    mehr aufzuklären (d. Medien, Werbung, Verbände etc.) und ein durchgängig
    integriertes Fleischerzeugungssystem zu schaffen, um beim Verbraucher
    das Vertrauen zu festigen.
    Dieses beinhaltet:
        ·          hohe, gleiche Hygienestandards
        ·          Beihalten eines definierten Gesundheitsstatus
                  (AK-frei, Schutzimpfprogramm)
        ·          Tierkennzeichnung und Rückverfolgbarkeit
       ·          klassische Fleischuntersuchungen
        ·          Kontrollen der einzelnen Produktionsstellen
        ·          Behutsamer Antibiotikaeinsatz
    Beispiel hierfür ist z.B. das D I Q S  (Durchgängig integriertes Qualitäts-
    sicherungssystem zur Schweinefleischerzeugung): Hier sind Züchter,
    Ferkelerzeuger, Mäster, Schlachtstätten und Zerleger eng aneinander
    gekoppelt und ziehen die Beratung und Kontrolle von Kammerberatern,
    Tierärzten, Futtermittellieferanten und sonstigen Produktionsbeteiligten
    mit ein.

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